Sklavin mit Gerechtigkeitssinn?

Veröffentlicht 16. November 2012 von karimausi

Mein letzter Tagebucheintrag hat anscheinend etwas für Irritationen gesorgt – gerade bei meinem noch recht neuen Freund JD:

Das Grundsätzliche der Situation war Dir ja sicher im Vorfeld klar, denn Dein Verzicht auf Einschränkungen, Tabus, etc. und die damit verbundene, absolute Unterwerfung war ja ein Fakt der Dir selbst ja besten bekannt war.
Von daher irritiert mich auch etwas Deine Bemerkung von Deinem inneren Gerechtigkeitsgefühl.
Es scheint mir, daß Dich die Absolutheit der Situation doch stärker überrascht hat, als Du es Dir vorstelltest? Obwohl es ja bei einem wirklich real gelebtem Herrin-Sklavin-Verhältnis nur eine Gerechtigkeit geben kann: Das Wort der Herrin.

Darauf möchte ich gerne ein bisschen eingehen, denn ich muss zugeben, dass können eigentlich nur Menschen verstehen, die mich schon länger kennen und mehr über mich wissen.

Anfangen muss ich dazu recht weit in der Vergangenheit, für manche vielleicht nicht ganz so lange her, aber für mich mehr als ein drittel meines bisherigen Lebens, nämlich an den Zeitpunkt zu dem ich angefangen habe überhaupt erst vorsichtig meine Neigungen zu erforschen und selbst da braucht es noch ein bisschen Vorgeschichte.

Ich komme aus einem glücklichen Elternhaus, meine Eltern führen eine intakte Ehe und lieben sich wie eh und je – und leben eine Beziehung, in der beide mit Anpacken und gemeinsam Entscheidungen treffen. Ob das nun die Kindererziehung war, der Haushalt oder Investitionen – völlig egal. Sowohl mein Vater wie auch meine Mutter sind sehr starke Charaktere, mit viel Selbstbewusstsein, Willen, Ehrgeiz, aber auch Hilfsbereitschaft. Wir Kinder wurden natürlich genau so erzogen und sowohl mein Bruder wie auch ich haben uns glaube ich, sehr zur Freude unserer Eltern, genau so entwickelt (jedenfalls bekommen wir das immer wieder zu hören). Meine Eltern und ihr Zusammenleben, unsere Familie war und ist für mich das Vorbild einer glücklichen Familie, das sie die Werte auf denen sich mein Leben aufbaut.
Mit siebzehn habe ich dann, dank Melli, meinen ersten Fetisch entdeckt – alles was mit Fesseln zu tun hat. Es fehlte zwar noch der richtige Partner, aber der ließ sich finden. Mit ihm habe ich dann auch die ersten Schritte in Richtung Disziplin gemacht, das ganze aber sehr spielerisch und alles rein aufs Sexuelle bezogen. Wir haben uns viel „Videomaterial“ einverleibt um uns Sachen abzuschauen oder auszuprobieren. Was ich dabei aber nie gemacht habe war mich freiwillig zu unterwerfen. Ein Kämpfchen hier ein Kämpfchen da, überwältigt, gefesselt und benutzt werden, ja, liebend gerne, aber mich einem Befehl einfach so zu unterwerfen, niemals. Mich nackt, breitbeinig dastehend, mit gesenktem Blick und Armen hinter dem Kopf von meinem Partner begutachten zu lassen, auf keinen Fall!! Und auch im Zusammenleben: ich Wäsche für ihn waschen? Vielleicht weil ich ihn liebe, aber dann hat er auch den Müll raus zu tragen und den Rasen zu mähen, ich hab schließlich wie er auch einen Job und studiere noch zusätzlich, sprich er kann in seiner Freizeit dann genauso viel für uns tun wie ich.

Irgendwann war die Beziehung zu Ende – Gründe dafür tun hier nichts zur Sache, aber es war nicht das Sexleben *grins*. Kurz darauf habe ich dann meinen ersten Online-Dom gefunden, oder besser er mich. Ich wollte vorerst keine Beziehung um mich voll und ganz auf meine Arbeit und mein Studium konzentrieren zu können. Damit ich aber wenigstens noch ein bisschen Anregungen habe, bin ich ins Netz gegangen und hab meinen Account in einer Community, in der ich auch meinen Ex kennengelernt hatte, reaktiviert. Kurz danach hat sich schon ein Mann herauskristallisiert, den ich sehr sehr interessant fand und mit dem ich sehr viel geschrieben habe. Er hat mir nach ein paar Wochen gesagt, dass ich eine kleine devote Ader hätte. Ich habe ihm gesagt, dass das nicht wahr ist und ich ihm das auch schon mehrmals dargelegt hätte warum das nicht so ist. Er beharrte darauf und machte mir den Vorschlag, es einfach einmal zu ergründen. Ich müsse ihm nur versprechen, das ich das was er mir sagt auch ausführe – sofern es nicht gegen irgendwelche NoGos von mir verstößt. Ich wollte ihm zeigen, dass er völlig falsch lag, ich, der Wille in Person, die vor Selbstbewusstsein strotzende Powerfrau, devot? NIE IM LEBEN! In meinen Augen passte das nicht zusammen. Und so ließ ich mich darauf ein – ist sehr viel einfacher jemandem per Mail oder Chat zu sagen, dass es hier nicht weiter geht als im Realen und außerdem könnte ich ihm im Notfall auch was weiß ich was erzählen.
Seine erste Mail nach meiner Zusage hat mich dann umgehauen. Ich habe noch nie so viel Dominanz aus einigen Zeilen Text hervorquellen sehen und mir ist es eiskalt vor Erregung den Rücken runter gelaufen, während ich die Wörter die an mich gerichtet waren wieder und wieder las. Und so legten wir zusammen in kurzer Zeit so viele „Abgründe“ der Lust in mir frei, wie weder ich noch er jemals erwartet hätten – das war keine kleines Äderchen was er bei mir ans Licht brachte sondern hätte einen Goldrausch auslösen können. ABER: das änderte rein gar nichts an meinem Empfinden was eine funktionierende und glückliche Partnerschaft an geht – es ging nur ums Sexuelle – und selbst da ging es eigentlich um mich. Er wollte mir Erregung und Glücksmomente schenken, nicht sich an mir erregen (das war nur ein Nebeneffekt – und ich habe natürlich alles daran gesetzt ihr zu erregen *grins*). Ein paar wenige Jahre (einem realen Dom mit nun auch DS-Spielchen und einem weiteren Online-Dom) später, bin ich dann mit Melli zusammengekommen und eigentlich hat sich nichts geändert. Sexuell dominiert, immer auf das Beste für den jeweils anderen Bedacht und in der Partnerschaft Gleichberechtigung und Arbeitsteilung, auch wenn wir aus Gründen der Erotik auch in diesem Bereich das DS Spiel haben weiterlaufen lassen – und das ist jetzt genau der Knackpunkt: wir haben „gespielt“ und darunter ist alles so gelaufen wie es sich in meinen Augen und in meiner Vorstellung, so wie ich geprägt bin, für eine Beziehung gehört. Ein „wirklich real gelebtem Herrin-Sklavin-Verhältnis“ wie JD es meint, hatten wir und hatte ich auch vorher nie wirklich – vielleicht im Bett, aber selbst da hatte ich meine Einschränkungen.

Das hat sich in den ersten drei Wochen nach meiner gewünschten Änderung nun aber doch irgendwie gewandelt und damit habe ich nicht so in diesem Ausmaß gerechnet. Ich wollte mit der Änderung in meinen Regeln und dem Wegfall meiner NoGo Liste so wie den Tabus ein bisschen mehr Spannung rein bringen, ihr zeigen wie sehr ich ihr vertraue und wie sehr ich sie liebe – ich dachte, dass sie hier und da mal ein klein wenig ihre erweiterte Macht ausnutzt, ein klein wenig! Statt dessen zieht sie die Regeln an, Strafen (und zwar ordentliche) schon bei den kleinsten Verstößen, Gleichberechtigung und Arbeitsteilung: Pustekuchen. Ja, das hat mich tierisch überrascht. Plötzlich wurde aus dem Spaß-Spiel ein Spiel mit knallharten Regeln, einem Handicap für mich und zehn Runden Vorsprung für sie – mal übertrieben gesagt. Ja, ich war echt platt. Ich wusste das sie so auch sein kann, ich bin nicht ihre erste Sklavin und wir haben darüber auch geredet, aber ich habe nicht gedacht, dass sie bei mir jemals diese Register ziehen würde.
Ich diene jetzt seit nahezu zwei Wochen und es geht mir gegen den Strich. Mein Verstand, mein „Gerechtigkeitssinn“ sträubt sich dagegen, prangert diese Ungerechtigkeit an. Wir haben eine Beziehung, eine mit Liebe und Respekt, und sie macht Freizeit, während ich nach meinem Job auch noch die Hausarbeit erledige? Boah!!! Platz!

Aber ich sage nichts. Warum? Weil es auf der anderen Seite auch einfach geil ist. Sie weiß, dass ich das hasse und macht es trotzdem – und: ich lasse es auch noch mit mir machen und wenn ich was sagen will, dann knie ich Minuten später geknebelt im Pranger mit einer Gerte oder Rohrstock schwingenden Herrin hinter mir!!!! Sie spricht meine Lust am Unterworfen werden, am gezwungen werden, voll an. Ich denke sie lotet aus. Schaut wie ich wann reagiere bei all den Sachen, die vorher wegen meiner Einschränkungen nicht machbar oder nur sehr langsam und in Minischritten von ihr auszuprobieren waren. Und so sehr ich auch davon überrascht wurde, sie macht es verdammt gut und ich will sie in dem was sie gerade tut auch überhaupt nicht unterbrechen.

Trotzdem bin ich froh, wenn sich gerade dieser Bereich mit dem Dienen wieder normalisiert. Ab und zu ist ja schon ok und macht mich an, aber zu viel… sonst könne irgendwann mein Gerechtigkeitssinn, meine Vorstellung einer perfekten Beziehung über die Erregung dominieren und das wäre nicht gut.

Ein Kommentar zu “Sklavin mit Gerechtigkeitssinn?

  • Jennifers Drecksau
    Freitag, 16 November, 2012

    Kari, mir fehlen etwas die richtigen Worte, um jetzt, beim lesen, meine Empfindungen dabei auszudrücke, denn irgendwie lese ich hier eine starke Parallele zu meiner eigenen Entwicklung.

    Den Punkt, an dem Du Dich jetzt befindest, kann ich, so glaube ich zumindest, jetzt voll nachempfinden.

    Ein Quantensprung in Eurer Beziehung, der Dich regelrecht überrumpelt hat.
    An dieser Stelle kann ich Euch nur wünschen, daß Lady Melli feinfühlig genug ist, Deine seelische Situation nicht zu überbeanspruchen, Du Dich andererseits in Deiner neuen definierten Position vollumfänglich einlebst.

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