Blogparade: Lieber nur als Kopfkino

Veröffentlicht 8. Dezember 2017 von karimausi

Fantasien die Dich anmachen, die Du aber nicht real erleben willst. Das ist das Thema, auf das wir uns nach der letzten Blogparade recht schnell einigen konnten. Etwas wozu ich auf alle Fälle etwas schreiben kann. Leider ist es mir mal wieder wie immer gegangen: es ist zwei Tage vor meinem Veröffentlichungs-Termin und ich hab einen Absatz geschrieben. Da muss ich wohl jetzt mal schnell ran und das zu Ende bringen. 🙂

Nachdem unsere erste Blogparade zum Thema ‚Bondage, wieso Bondage‚ ein Riesenerfolg war, machen wir im Dezember mit dem Thema #nurimkopf weiter – die Teilnehmerzahl ist inzwischen auf sieben Blogs angestiegen: TomaszBen Wilders Lusttagebuch, meine Wenigkeit, Margaux NavaraDevote RomantikerinTanja Russ und hoffentlich auch die Seitenspringerin.

Diese Beiträge zu #nurimkopf kommen dann jeweils montags und freitags auf den einzelnen Blogs – und dieser Freitag ist meiner (wann die noch folgenden Links in dem Absatz über diesem hier auf die richtigen Beiträge linken, könnt Ihr Euch ja dann ausrechnen). 🙂

Noch ein Wort zu einem Post in einem anderen Blog, in dem die Fantasie von Ben, nein, von einer Freundin von ihm – er hat sie nur niedergeschrieben, so dermaßen angegriffen wurde. Ja, es ist ein schwieriges Thema – das war mir schon klar, als wir das Thema für diese Blogparade abgestimmt haben. Gewalt und Zwang gegen Frauen ist schließlich das Erste, was einem dabei einfällt (und die Männer will ich mal nicht ausschließen, da gibt es ja durchaus auch Betroffene). Aber für mich gibt es da einen riesigen Unterscheid zwischen Fantasie und Realität – ich denke wie für viele andere Frauen auch, die Vergewaltigungsfantasien oder ähnliches durchaus erregend finden. Das ist kein Armutszeugnis, das ist einfach Mensch sein. Das schöne an Gedanken ist, dass sie frei sind. Niemand kann und darf mir vorschreiben was in meinem Kopf vor geht. In der Realität sieht das natürlich ganz anders aus. Aber genau deswegen heißt es ja auch #nurimkopf. Niemand von uns möchte, dass diese Fantasien Realität werden.
Klar ist es schlimm für die, die das, was wir in der Fantasie vielleicht erregend finden, real erleben mussten. Es ist verabscheuungswürdig. Aber ich erachte es für Scheinheilig, Andere dafür zu maßregeln, dass sie etwas im Kopf erleben und es erregend finden, was für andere der schlimmste Alptraum war oder ist (an der Stelle möchte ich dann mal schnell alle Ballerspiel-Spieler bashen… nein… lieber nicht… ich spiele ja durchaus auch Ego-Shooter. Oh Gott! Ich bin sowas von moralisch unterirdisch!). Man sollte lieber als aller erstes mal schauen, was man selbst Reales tut, was anderen Menschen schadet oder ihr Leben zur Hölle macht, als andere für ihre Fantasie zu maßregeln. Da könnte man ja tatsächlich was ändern. Aber die Liste, die man dann anpacken müsste, wäre lang und ich denke, die wenigsten Menschen wären dazu bereit.

Aber kommen wir nun mal zum Thema. An sich gabs da gleich so einige Dinge, über die ich hätte schreiben können. Zum Schluss kamen Zwei in die nähere Auswahl. Zwei, die immer wieder in meinem Kopf rumspuken… wenn ich in meinen Eisen im Bett liegen, wenn wir draußen einen Spaziergang machen, beim Autofahren, eigentlich immer und überall wenn ich irgendwie Zeit für eine heiße Geschichte im Kopf habe. Die Meisten wissen von meinem Kopfkino was das Thema – Melli läd mal haufenweise Social-Community-Freunde und Freundinnen zu nem Dinner ein (mit der armen Kari als Hauptgang… ok, Vorspeise und Nachtisch ebenfalls) – angeht. An der Anderen hingegen ist Tomasz schuld – sie wirbelt mir seit ich „Bazar“ von ihm gelesen habe durch den Kopf. Früher hab ich mich mit dem was dort passiert nicht wirklich beschäftigt – es war kein Thema, was mich irgendwie gereizt hätte, doch nach der Lektüre….

Ihr könnte Euch, denke ich, vorstellen, warum es für mich ein Thema für#nurimkopf ist. Wie Ihr ja wisst, leben wir exklusiv und mein Vertrauensbedürfnis ist nicht gerade unterentwickelt. Und sind wir mal ehrlich, die ersten Zeilen würde so auch nie bei uns vorkommen…

 


 

Der Streit ist kurz aber heftig. Wie genau es zu den Worten gekommen ist, die ich meiner Herrin an den Kopf geschmissen habe, kann ich im Nachhinein gar nicht mehr sagen. Aber was ich genau weiß ist, dass ich sie noch sie so wütend gesehen habe. Die Ohrfeige, die mich im Gesicht trifft, als ich mich gerade wieder zu ihr umdrehe, ist so heftig, dass sich schlagartig dunkle Nacht über mich senkt und ein funkelnder Sternenhimmel vor meinen Augen aufgeht. Durch den Nebel des Schmerzes höre ich dumpf die Worte, mit denen sie mit anschreit.

„Du respektloses Miststück, du undankbares Gör… du….“

Eine weiterer Schlag mit der Flachen Hand trifft meine andere Wange. Der Boden unter meinen Füßen schwankt. Meine Ohren klingeln.

Sie stellt ein Bein zwischen Meine, zieht mich am Halsreif nach vorne, bringt mit unsanft bäuchlings zu Boden. Ich stöhne. Mein Gesicht brennt. Ruppig landet ein Knie auf meinem Rücken, presst sich zwischen Schulterblatt und Wirbelsäule. Ich schreie. Melli interessiert es nicht.

„Hohl mir eine schwere Kette, Anna, sofort!“ brüllt sie meine Mitsklavin an. Sie verlagert ihren Unterschenkel auf meinen Hals, greift meine Handgelenke und biegt sie mir unsanft auf den Rücken.
„Schön liegenbleiben und wehre dich nicht, sonst glaube mir, Gnade dir Gott, denn ich werde keine Gnade kennen!“
Ich habe keinen Drang mich gegen sie aufzulehnen. Ihre Reaktion hat mich völlig überrumpelt. So kenne ich sie nicht.

Anna ist zurück, ich sehe ihre Füße in meinem Blickfeld auftauchen.
„Schließ die Handeisen zusammen und mach die Kette dran fest.“ folgt der Befehl unserer Herrin. Anna fingert an meinen Handfesseln herum, die ich, wie auch den Halsreif – und nicht zu vergessen die Fußeisen – nahezu rund um die Uhr trage. Melli lässt meine Arme los und zieht gleichzeitig an der Kette, die nun fest mit meinem Fesseln verbunden ist. Ein Schmerzenslaut kommt mir über die Lippen, als sie die unvorbereitete Muskulatur meiner Oberarme und Schultern überspannt und meine Hände bis unter meine Schulterblätter zwingt. Der Druck gegen meinen Nacken schwindet, als sie ihre auf meinem Hals kniende Position aufgibt. Sie packt meinen Halsreif und dreht ihn um 180 Grad, den Ring nach hinten – um Sekunden später die Kette mit einem weiteren Schloss an ihm zu fixieren.

„Hilf mir sie auf die Füße zu stellen.“ faucht Melli zu meiner zweiten großen Liebe. Anna und sie packen mich an den Armen und ziehen mich auf die Beine. Klirrend wird das Ende der Kette über einen Deckenbalken geworfen und so lange daran gezogen, bis ich nur noch auf meinen vorderen Fußballen stehe, bevor ein Karabiner sie mit sich selbst verbindet.

Klatsch, klatsch. Zwei weitere Ohrfeigen treffen mich hart und treiben mir die Tränen in die Augen.

„Diesmal hast du es übertrieben. Ich werde dir jetzt eine Lektion erteilen, die du so schnell nicht vergessen wirst. Und glaube mir, danach wirst du dankbar sein, dass ich deine Herrin und so gut zu dir bin.“

Ein wenig Angst steigt in mir auf. Meint sie das wirklich ernst? Hab ich es diesmal zu weit getrieben? Das Fass zum Überlaufen gebracht?

Melli stellt sich hinter mich und zieht mir eine schwarze Latexmaske über den Kopf. Zum Glück mit Augenöffnung denke ich nur – wobei es manchmal besser sein kann, nicht zu wissen, was auf einen zukommt. Sorgfältig zieht sie die Schnürung fest, so dass sie sich wie eine zweite Haut auf mein Gesicht legt. Sie gibt Anna eine kurze Kette und zwei Schlösser.

„Kümmere dich um ihre Füße, nicht dass sie wegrennen kann.“

Meine Domme greift sich einen Tunnel-Gag vom Tisch. Klassische Kopfharness Variante mit „Abflussstopfen“, die, einmal angelegt, den Mund schön weit offen hält. Ich lasse alles widerstandslos mit mir geschehen, öffne brav meine Lippen, als sie ihn um meinen Kopf legt und mit das kurze Rohr zwischen meine Zähne zwängt. Ich möchte nicht, dass es noch schlimmer wird, als es bestimmt schon ist.

„Pass auf sie auf, ich mache mich fertig. Bin gleich wieder da.“, sagt sie und verschwindet.

Für was macht sie sich fertig? Was hat sie vor? Schmeißt sie sich in Leder und danach gehts in den Keller zu einer wohl schmerzvollen Session? Rohrstock? Eine Nacht im Käfig? Was meint sie mit einer Lektion, die ich so schnell nicht vergessen werde? Es gibt einige, die ich mit lange gemerkt habe, einige, die auch zu Verhaltensänderungen geführt haben. Sie alle waren ausnahmslos sehr unangenehm für mich, aber sie hat sie nie so angekündigt.

Melli betritt wieder das Zimmer. Eigentlich hat sich nicht viel verändert an ihr, bis darauf, dass sie nun Straßenschuhe trägt und sich einen Mantel übergeworfen hat – und eine dicke Winterjacke trägt sich über dem Arm. Was zu Hölle soll das? Nein! Ich will nicht raus! Nicht so! Nein, das wird sie nicht machen. Nein! Sie weiß, dass ich nicht geoutet bin und so herauszugehen wäre viel zu gefährlich. Ich versuche von ihr weg zu weichen, als sie auf mich zu kommt – was natürlich ein völlig nutzloses Unterfangen ist, wenn man mit dem Halsreif und einer Kette an der Decke hängt. Ich versuche mich wegzudrehen, als sie mit die Steppjacke mit dem Kunstfellkragen über die Schultern legt. Keine Chance.
Als sie den Reißverschluss einfädelt, hält sie inne.

„Moment, da hätte ich doch fast etwas vergessen.“

Sie fängt an die Schlösser meines Keuschheitsgürtels aufzumachen und nimmt ihn mir ab.

„Das brauchen wir nicht wo wie hin gehen.“

Melli hakt einen mit dünnem Schaumstoff bezogenen Karabinerhaken vorne – also vom Reif her gesehen eigentlich hinten – an meinem Halseisen ein, an dem eine Leine befestigt ist.

„Los, komm mit.“

Ich versuche mich dagegen zu stemmen. Nein, ich gehe nicht raus! Das kannst du nicht machen! Aber Melli reißt gnadenlos am Führungsseil und durch die eng aneinander geschlossenen Füße bekomme ich auch keinen Halt. Ich habe keine Wahl außer ihr hinterher zu laufen oder der Länge nach, ohne mich abfangen zu können, auf den Boden zu knallen.

Es geht langsam die Treppe vom ersten Stock hinunter – das kann ich ziemlich gut auch mit kleinen Schritten, Übung macht hier definitiv die Meisterin, durch das Wohnzimmer in Richtung Flur und somit auch Haustür. Melli!!! Ich habe nichts an außer dieser Jacke! Mein Hintern und meine Muschi liegen frei an der Luft! Und ich hab auch keine Schuhe an! Und noch viel Schlimmer, ich trage eine Latexmaske und einen Knebel! ICH KANN SO NICHT RAUS! ICH WILL SO NICHT RAUS! DAS KANNST DU NICHT MACHEN!
Doch weder unverständliches Geseier mit einem verschlossenen Stück Rohr im Mund noch intensive Gedankenübertragung scheinen sie davon abzuhalten, ihre Planung einfach durchzuziehen.
Will sie mich in der Nacht so draußen für eine Stunde stehen lassen? Es ist kalt! Uhhhh… und wie Kalt! Ein eiskalter Hauch zieht an meinen Beinen vorbei, als sie die Haustür öffnet und mich hinter ihr her in die Nacht zieht. Minusgrade. Ein wenig frischer Schnee liegt auf dem Weg durch den Garten, vor zur Straße. Meine Füße sinken im frostigen Weiß ein, die Kälte umklammert meine Zehen. Meine Aufmerksamkeit richtet sich auf das Gebäude, auf das wir zu und gleich vorbeigehen werden. Im Haus meiner Eltern brennt kein Licht mehr – zum Glück. Wenn die mich so hier sehen würden…

Melli schlägt den Weg zum großen Abstellplatz ein. Auto? Wo zur Hölle willst du mit mir hin? In den Wald? Na ja, Aussetzen wirst du mich ja so nicht! BITTE MELLI, LASS UNS WIEDER REIN GEHEN. Ich bin auch folgsam und werde ein Jahr nur noch das tun, was du befiehlst. Ohne Widerworte, ohne meine Grenzen zu testen.

Grell erhellen die blinkenden gelben Lichter den Schnee, als meine Herrin mit der Fernbedienung den Bus auf macht. Surrend öffnet sich die fahrerseitige hintere Schiebetür und Melli bugsiert mich hinein. Sie drückt mich auf die Sitzbank und legt mir den Anschnallgurt über die Brust.

„Wir machen jetzt einen kleinen Ausflug.“ lächelt sie mich an, bevor Sie mir die Augenbinde über selbige schiebt.

Dir Fahrt geht kreuz und quer, wir fahren durch Ortschaften, auf Landstraßen und auf der Autobahn. Die Heizung ist aufgedreht – zumindest muss ich nicht frieren. Allerdings habe ich mich mittlerweile ein wenig vollgesabbert. Spucke aus meinem zwangsweise geöffneten Mund kapilliert zwischen dem Kunstleder des Rohrknebels, der die Fläche zwischen Kinn und Nase bis kurz vor die Ohren bedeckt, bevor er in die Riemen übergehen, die meinen Kopf umfassen und meiner Haut. Fließt zäh meinen Hals hinunter und unter die Jacke.

Ich habe die Orientierung verloren. Anfänglich wusste ich noch genau, wo wir uns befinden, konnte die Straßen anhand der Kurven die sie fährt erraten. Jetzt hab ich keine Ahnung mehr. Ich habe auch das Zeitgefühl verloren. Ohne etwas zu sehen ist man schnell völlig aus der Realität genommen. Laute Musik dröhnt aus den Lautsprechern. Ich hätte die Anzahl der Musikstücke zählen können um die Zeit abzuschätzen. Zu spät. Spielt jetzt eh keine Rolle mehr. Wir scheinen da zu sein. Melli hält und stellt den Motor ab.

„Zeit zum Aussteigen.“ Eisige Luft flutet das Innere des Wagens, dann schlägt die Fahrertür zu. Mit einem langen hohen pfeifen öffnet sich die Schiebetür. Melli zerrt mich aus dem Auto. Ich höre andere Autos, höre Menschen, wie sie sich unterhalten – Stimmenwirrwarr. NEIN! Ich werfe mich in die Leine, versuche sie am Weitergehen zu hindern! Nicht unter Menschen! Das ist ein Tabu! Das darfst du nicht machen. Doch meine Herrin schleift mich unnachgiebig weiter. Die Stimmen kommen näher, gehen ans uns vorbei. Niemand scheint uns wirklich zu beachten. Niemand sagt irgendein Wort zu Melli oder mir. Wo zur Hölle sind wir?

Plötzlich steht doch jemand neben uns… ich spüre es. Wir bleiben stehen.

„Kaufen oder Verkaufen“ höre ich eine männliche, tiefe, leicht kratzige Stimme.

„Verkaufen“ antwortet Melli.

Was Verkaufen? Was will sie Verkaufen?

„Dann da rein und rechts die Treppe runter.“ erwidert der Mann.

Panik steigt in mir auf. Nein… das wird sie nicht machen. Niemals. Was nicht sein kann, wird nicht passieren.

Ein Ruck am Halsreif treibt mich wieder nach vorne. Wir gehen durch eine Tür. Melli packt mich am Arm. „Vorsicht, Stufen.“ Als wir unten angekommen sind, höre ich Frauenstimmen. Leise tuscheln sie. Ich frage mich, ob sie über mich reden.

„Ich nehme das.“ summt eine liebevoll warm klingende, weibliche Stimme von rechts. „Gehen Sie schon ein mal vor und setzten Sie sich auf das Sofa dort. Ich komme gleich zu Ihnen und wir erledigen den Papierkram.“

Meine Herrin lässt meinen Arm los, gleichzeitig spüre ich Zug auf der Leine. Die Frau spricht mich an. „Komm mit Kleine. Ich mach Dich mal hier drüben fest, während ich mit Deiner Dame ein paar Worte wechseln.“

Sie fummelt an meinem Halsreif rum, löst die Leine so wie es sich anfühlt.

„Du bist ja völlig durchgeweicht.“ sagt sich, wohl Bezug nehmend auf die bestimmt völlig zugesabberte Jacke, während sie den Karabinerhaken metallisch klackend in eine Kette einhakt.

„Komm, wir ziehen Dir mal die Jacke aus, bevor Du Dich noch erkältest.“

Ich bin viel zu perplex und überfordert von der Situation um auch nur irgendeine Gegenwehr aufzubauen. Ich lasse es mit mir geschehen. Sie schält mich aus dem Stoff. Erst jetzt wird mir wieder bewusst, dass ich eigentlich nackt bin.

„Lass dich mal anschauen.“

Ich spüre ihren Blick auf meiner Haut, als sie mich ein mal um mich selbst dreht, spüre wie sie jeden Zentimeter begutachtet.

„Na, das sieht ja prächtig aus. Du wirst einen guten Preis erzielen.“

Ohne Vorwarnung greift sie mit zwischen die Beine, steckt ein oder zwei Finger in mich hinein. Ich quieke auf, drehe mich von ihr weg, versuche aus ihrem festen Griff zu entkommen. Sie lässt von mir ab. Beschämt stehe ich da. Ich möchte nach Hause, bitte Melli bring mich heim!

Lange Zeit stehe ich dort. Neben mir ist eine Wand. Die Kette an meinem Halsreif ist fort irgendwo befestigt. Ich habe meine kleine Welt, in der ich mich noch bewegen kann, so gut es geht erkundet. Irgendwo um mich herum scheinen noch mehr Menschen angekettet zu stehen. Ich höre ab und zu das Klirren von Ketten und die Eine, von der Stimme her würde ich schätzen ein Mädel Anfang zwanzig, neben mir hat mich vorhin gefragt, ob ich auch schon so freudig aufgeregt bin und ob das meine erste Versteigerung wäre. Das gekicherte „Oh, Du kannst ja gar nicht antworten“ trug allerdings in keiner Weise zu einer Verbesserung meiner Gefühlswelt bei. Melli hat sich über alle meine eigentlich nicht mehr geltenden NoGos hinweggesetzt. Aber sie weiß genau, dass ich das hier auf keinen Fall will. Sie weiß es!!! Warum tut sie es?

Mittlerweile habe ich durch das Belauschen anderer Gespräche zumindest ein wenig Informationen erhalten. Ich befinde mich wohl im Moment hier im „Wartebereich“. Später am Abend werden die hier stehenden Subs und Sklavinnen (ich konnte noch nicht herausfinden ob hier auch Männer in Ketten stehen) wohl nach oben gebracht und dem biet freudigen Publikum präsentiert. Er wird vorgelesen, für was das „Objekt“ zu gebrauchen ist, was erlaubt ist mit ihr zu tun. Das höchste Gebot bekommt den Zuschlag und „darf“ den Rest des Abends mit der Ersteigerten verbringen.

Ich möchte das aber nicht. Ich möchte nicht vor all den Menschen nackt und in Ketten stehen. Ich will nicht versteigert werden. Ich rede mir ein, dass Melli egal wie, schon vieles aufgeschrieben hat, was ich auf keinen Fall möchte und mir so „nur“ eine Lektion erteilen will. Aber das ist schon schlimm genug. Wie kann sie das nur machen.

Ich will heim!

Zu der Sabber, die von meinem Kinn nach wie vor stetig auf meine Brüste tropft, gesellen sich ein paar Tränen. Ich habe Angst. Ich möchte hier weg. Ich möchte das alles nicht.

„Los gehts ihr Täubchen. Schaut schön freundlich, dann bieten sie mehr.“

Wir werden heraus geführt. Um mich herum kommt alles in Bewegung. Als wir durch einen schweren Vorhang gehen, den ich auf meiner Haut spüre, öffnet sich der Gang zu einem Raum. Die Größe lässt sich durch das laute Raunen, Klatschen und die vielen lautstarken Begeisterungsbekundungen nur erahnen. Es sind viele Menschen hier. Sehr viele.

„Und hier kommen sie! Die Ware, die Sie, meine Damen und Herren, heute Abend ersteigern können.“ preist die Lautsprecheranlage. „Heute ist für jeden Geschmack etwas dabei. Und bevor wir noch groß Zeit verschwenden, lassen Sie uns anfangen. Je früher der Abend, desto länger Ihre Freude!“.

Euphorisches Klatschen erfüllt den Saal.

Wir stoppen. Ich versuche Melli zu spüren. Sie muss irgendwo zwischen all diesen Personen sein. Ich strenge mich an, ihre Stimme aus den Vielen herauszuhören.

„Meine Damen und Herren. Unser erstes Objekt der Begierde für den heutigen Abend ist Sklavin Alexandra. Sie ist einen Meter siebzig groß, wiegt 58 Kilo. Sie steht auf Schmerz und liebt den Rohrstock, den Sie auch gerne heute Abend auf ihr tanzen lassen können…“

Ich höre weg. Versuche mich wieder auf das Erahnen von Melli zwischen all diesen Gästen zu konzentrieren. Womit habe ich das hier verdient. Was habe ich getan. War meine Reaktion so schlimm gewesen? Oder hat sie einfach nur das Fass zum Überlaufen gebracht?

„… höre ich 500? Der Herr da hinten mit der Nummer 45. 550, 600, 650…. höre ich siebenhundert? Nein? Siebenhundert? 650 zum ersten, 650 zum zweiten, 650 zum dritten. Alexandra ist verkauft an den Herrn mit der Nummer 73. Bezahlen Sie bitte bei der netten Dame dort hinten im roten Kleid, wir bringen Ihnen Ihre Ware auch nach dort.“

Nein, nein, nein. Das kann alles nur ein schlechter Traum sein. Aber die Lektion scheint es Melli wert zu sein, ein paar hundert Euro für mich auszugeben, nur um mir diesen Schock einzujagen.

„… Kommen wir zu Maggie. Sub aus Leidenschaft. Knackige 23 Jahre alt….“

Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Nach und nach wird eine Frau nach der Anderen „verkauft“. Bei der einen gerade haben sich zwei ein Bietduell geliefert. Ich frage mich, wer bereit ist, 2000 Steine auf den Tisch zu legen, nur um einen Abend mit einer Frau zu verbringen, die er noch nicht mal ficken darf, weil es auf ihrer „darfst du nicht mit mir machen“ Liste steht.

„Kommen wir zum Höhepunkt des heutigen Abends, meine verehrten Herrinnen und Herren. Die Letzte, aber auch die außergewöhnlichste Versteigerung, die wir hier seit langer Zeit hatten.“

Ich werde nach vorne gezogen. Meine Zehenspitzen stoßen gegen eine kleine Treppe.

„Hier hoch. Vorsicht, nicht dass du fällst.“

Die Frau von vorhin. Anscheinend stand sie die ganze Zeit neben mir, hat mich geführt. Meine persönliche „Aufpasserin“.

„Meine Damen und Herren, “ tönt es wieder aus den Lautsprechern, „sehen Sie sich dieses Prachtexemplar an.“

Ein Raunen geht durch die Menge.

Es wird hell, als mir die Augenbinde entfernt wird. Blinzelnd versuche ich die Umgebung wahr zu nehmen. Überall stehen Menschen. Schauen mich an. Tuscheln sich etwas zu. Ich suche Melli in der Menge.

„Kari. 30 Jahre jung und wie Sie selbst sehen können, sehr gut in Form. Sie mag keine Schmerzen, aber ihre aktuelle Herrin meint, dass das keine Rolle spielt. Kari ist eine Sklavin und hat auf ihren Willen verzichtet. Was ihre Herrin Ihnen erlaubt, dürfen Sie an dieser Sklavin auch ausführen.“

Begeisterungsrufe schallen mir entgegen.

„Kari ist eine Meisterin des Deepthroat und entsprechend vorbereitet.“

Ein starker Arm packt von Hinten um meinen Hals. Der Stopfen auf meinem Rohrknebel wird entfernt und zwei Finger bohren sich tief in meinen Hals. Ich würge. Tränen schießen mir in die Augen. Die Finger ficken meinen Mund. Dann ist es vorbei. Das Rohr wider verschlossen, aber mein Kopf steckt noch immer in der Armbeuge des Kerls, der wohl hinter mir steht. Ich versuche mich aus dem Griff zu winden.

„Sie ist ein wenig widerspenstig, aber ihre Herrin meint, das sollte für einen Mann oder auch eine Frau, der weiß, wie man richtig straft, kein Problem da stellen.“

Ein Lachen hallt durch den Raum.

MELLI, wo bist du?? Bitte hilf mir!

„Also, neben dem Deepthroat hat sie es gerne, wenn man sich an ihrem Arsch bedient. Im Allgemeinen steht sie ihrem Besitzer mehr oder weniger gerne für alle sexuellen Handlungen zur Verfügung. Aber wir schon erwähnt, es spielt für Sie, meiner Damen und Herren, keine Rolle was diese Sklavin möchte. Sie gehört Ihnen. Machen Sie mit Ihr, was Ihnen, nicht was ihr gefällt.“

Erneut geht ein Raunen durch die Masse. Ich will hier weg. Was macht Melli da. Das darf einfach nicht sein.

„Noch zwei kleine Hinweise wären zu beachten. Wer sie ersteigert erklärt sich gleichzeitig damit einverstanden, ihr den Knebel im Mund zu lassen. Die Schlüssel für diesen werden nicht mit übergeben. Genauso ist sie rund um die Uhr in Ketten zu halten. Schlüssel für ihre Eisen sind ebenfalls nicht im Preis mit enthalten. Ach ja, und die Benutzungserlaubnis erstreckt sich natürlich nicht nur auf Sie! Teilen Sie Kari mit ihren guten Freunden oder wem auch immer sie wollen.“

Alles ist wie betäubt, wie durch einen Nebel. So unecht. Ich suche verzweifelt Melli. Sehe panisch zwischen den Leuten hin und her. Melli. Melli. Melli.

„Und bevor Sie jetzt ihre Scheckhefte zücken, noch eine letzte Bemerkung. Sie bieten nicht auf den heutigen Abend, nein, sie bieten für einen ganzen Monat. 30 Tage pures Vergnügen mit diesem Prachtexemplar. Danach ist sie bei ihrer Herrin abzuliefern. Und nun möchte ich Zahlen hören… hohe Zahlen….“

Tränen rinnen mir über die Wangen. Verzweiflung erfasst jede Faser meines Körpers. Wo ist Melli???

„10.000… 11.000 der Herr mit der 66ig… 11.500 die Dame mit der Nummer 105….“

„Falls Du Deine Herrin suchst,“ spricht mich die Frau neben mir an, die wohl meine panischen Blicke aufgefasst hat, „die ist vorhin, gleich nach dem wir das Angebot besprochen haben, gefahren. Ich soll Dich von ihr grüßen und dir ausrichten, dass Du sie in vier Wochen wieder siehst. Und sie denkt, dass Du dann verstehst, wie gut Du es bei ihr hast.“

Es wir dunkel, als sie mir die schwarze Latexaugenbinde wieder über den Kopf streift. Kälte, Panik, Verzweiflung… und Angst…

„16.500“….

 


 

Ob Melli nun doch unter den Massen ist und mich ersteigert oder wer auch immer den Zuschlag bekommt, das kann ich Euch nicht verraten. An der Stelle endet meine Fantasie eigentlich immer. Das Ende bleibt also Eurem Kopfkino überlassen. Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen und ich freue mich auf weitere Spannende Themen bei der Blogparade.

25 Kommentare zu “Blogparade: Lieber nur als Kopfkino

  • Da wollte ich ’noch schnell‘ deinen Blog lesen und zack! Mittagessen verbrannt. Liebe Kari, Phantasien scheinen, wie es mir bei der Blogparade bis jetzt den Eindruck macht, immer ‚irgendwo‘ zu enden, wo das Ende noch gar nicht ist (meine persönlichen übrigens auch…). Vielleicht gibt es irgendwann bei einem von uns ‚Blogparadlern‘ eine weitere Auflage unter dem Motto „Was danach geschah“. Material sammelt sich ja grade an… Heisse Grüsse, Stella.

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Stella, gut, dass Deine Küche nicht abgefackelt ist, sonst müsste nachher noch meine Versicherung einspringen… „Die da wars! Die hat mich abgelenkt!!!“. 😉
      Was hätte es denn leckeres gegeben? *ggggg*

      Ja, das stimmt komischerweise. Wenn ich so drüber nachdenke, ist das eigentlich auch bei all meinen anderen Kopfkinogedanken so. Ich bin noch nie so weit gekommen, das bei dem großen Essen die ganzen Gäste wieder gegangen wären… Auch bei einer Fantasie, mich einem Fremden auszuliefern, ist immer nach Fantasiezeit vielleicht einer Stunde Ende. Vielleicht müssen Fantasien ein offenes Ende haben? So ist es jedesmal spannend sie noch ein Mal von vorne zu im Kopf zu erleben – die Spannung bleibt hoch, da man das Ende ja immer noch nicht kennt…. *lach*

      Gefällt 1 Person

  • Sehr schön geschrieben und ja gerade „Giftschrankfantasien“ sollten immer ein offenes Ende haben (zu mindest in der Erzählung)

    Zahlt deine Versicherung auch Delire infolge von Entzug von deinen Blogposts?

    bis bald
    Rabenhexe

    Gefällt 2 Personen

  • Wunderbar geschrieben. Natürlich, auch hier sind wir uns sicher, in echt wollen wir nicht verkauft werden. In der Vorstellung kann ich es mir aber schon vorstellen. Ich war erst am überlegen, ob ich etwas ähnliches schreiben soll. Hatte „Versteigerung“ schon auf meinem Notiz-Zettel stehen, eben weil es bei mir in real auch ein absolutes NoGo wäre. Du hast es Klasse umgesetzt, ich denke, jeder konnte mitfiebern und ich denke, jeder drückt in Gedanken die Daumen, dass es Melli war, die den Zuschlag erhalten hat.

    Hut ab, wenn ich einen tragen würde, aber dafür bin ich noch etwas zu jung!

    Liebe Grüße,
    Ben

    Gefällt 1 Person

    • Lieber Ben, danke für diese Worte. Ich fühle mich geehrt. ABER: Mann ist nie zu Jung für einen tollen Hut. Kommt immer nur darauf an, welche Art zum Typen Passt. Aber Hut bei Mann… das finde ich absolut klasse!

      PS: Ich wüsste jetzt gar nicht, was ich mir in der Fortführung der Fantasie wünschen würde… ich könnte mir vorstellen… uhhhh… ich könnte noch ein paar heiße Minuten.. in Fantasie Stunden dranhängen… oha… gerade geht Kopfkino an….

      Ich bin dann mal gerade weg… in Gedanken…. *gggg*

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